Kuba empfängt das höchste Symbol Deutschlands

03 Juli 2019 10:24pm
Schreiben Caribbean News Digital
 Kuba und Deutschland

Anlässlich seiner letzten offiziellen Amtshandlung als Botschafter Deutschlands in Kuba hat Herr Thomas Neisinger dem Direktor des Büros des Stadthistorikers von Havanna, Dr. Eusebio Leal Spengler, eine Luxusausgabe der deutschen Nationalflagge überreicht, die im Fahnensaal des Stadtmuseums ihren Platz finden wird.

Der Flagge war ein an Dr. Leal gerichteter Brief des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier beigegeben. Grund der Übergabe ist, dass in besagtem Saal die Banner der Länder vertreten sind, die aktiv an der Geschichte Kubas beteiligt waren. Bei diesem feierlichen Akt waren einige weitere europäische Botschafter und Mitarbeiter des Büros des Stadthistorikers zugegen.

Angesichts der Tatsache, dass es sich um die Geschichte der Beziehungen zwischen Kuba und Deutschland handelt, veröffentlichen wir hier die vollständige Rede von Herrn Botschafter Neisinger:

„Die Beziehungen zwischen Kuba und Deutschland sind so alt wie die Geschichte Kubas selbst. Bereits im 16. Jahrhundert kamen erste deutsche Reisende in dieses Land. Trotz der großen geografischen Entfernung haben sich die Kontakte vervielfacht, die Beziehungen zwischen beiden Ländern wurden vor allem in der Wirtschaft immer intensiver. Hunderte von Deutschen der unterschiedlichsten Berufe ließen sich in Kuba nieder, hauptsächlich ab dem 19. Jahrhundert, in einer Zeit, in der diese Region als erfolgversprechende Entwicklungszone angesehen wurde.

Kuba hat aber auch politisch verfolgte Deutsche aufgenommen. Genannt sei an dieser Stelle der deutsche Dichter Georg Weerth, der hier auch seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Deutsche Wissenschaftler haben entscheidend zum Wissen über die kubanische Natur beigetragen. Ich denke vor allem an Christoph Gundlach, dessen Namen die Kubaner in ihre Sprache als Juan Cristóbal Gundlach übertrugen und so zu einem der ihren machten, ein Symbol authentischer Vermischung.

Und es ist ein Deutscher, der den hoch ehrenwerten, offiziellen Titel des „Zweiten Entdeckers Kubas“ trägt. Der heutige feierliche Akt findet gerade im 250. Geburtsjahr von Alexander von Humboldt statt (ich weiß, dass die Kubaner lieber Alejandro de Humboldt sagen), ein so hoch angesehener und universeller Mann, beim dem uns Deutschen das Herz vor Stolz anschwillt, wenn wir Kubaner, Venezolaner, Kolumbianer, Peruaner, Ekuadorianer, Mexikaner usw. über ihn reden hören, als gehöre er zu ihnen.

Ich könnte hier die Aufzählung von Beispielen deutscher Präsenz in Kuba unendlich fortsetzen. Das werde ich nicht tun, aber ich kann auf keinen Fall unerwähnt lassen, dass dank der Hochherzigkeit eines einfachen Deutschen José Martí in Begleitung von General Máximo Gómez in Kuba landen konnte, um den Kampf für die Unabhängigkeit wieder aufzunehmen. Sowohl Martí als auch Gómez haben mehr als einmal ihre große Dankbarkeit gegenüber Heinrich Julius Theodor Löwe, Kapitän des Frachters “Nordstrand” zum Ausdruck gebracht, auf dem diese großen Anführer der kubanischen Nation ankamen. Und in wenigen Tagen, am 17. Juli, jährt sich genau zum hundertsten Mal der Tag, an dem besagtes Schiff bei einem Seeunfall für immer auf dem Grund des Meeres verschwand.

Als Symbol all dieser unzähligen Austausche und Beziehungen zwischen beiden Nationen im Verlauf von hunderten von Jahren überreichen wir heute die Nationalflagge Deutschlands, damit sie zusammen mit den Flaggen der anderen Nationen, die ebenfalls eng mit der kubanischen Geschichte verbunden sind, in dem feierlichen Fahnensaal des Stadtmuseums hängt. Das dies zu einer Zeit geschieht, in der die prominente Stadt Havanna mit Fug und Recht ihr 500. Gründungsjubiläum begeht, macht das für uns noch bedeutender. Es ist sicher so, dass die Deutschen aufgrund der dunklen Seite in ihrer Geschichte ein zwiespältiges Verhältnis zu den so genannten „patriotischen Symbolen“ haben. Aber wir wissen, dass die Kubaner ihre eigenen patriotischen Symbole lieben, als wären sie Teil ihrer selbst. Deshalb fühlen wir echten Stolz, unsere Nationalflagge in die Hände von Kubanern zu geben, denn in diesem Fall symbolisieren sie das Beste von uns. Wir tun das und bekräftigen damit unser Engagement für Kuba, unsere Unterstützung für das kubanische Volk, unsere Entscheidung, hier präsent zu sein und alles im Rahmen unserer Möglichkeiten beizutragen, damit unsere beiden Völker sich immer besser kennenlernen und ihre wirtschaftlichen, politischen, kulturellen, sportlichen Beziehungen und ein langes Undsoweiterundsoweiter…immer enger gestalten.

Lieber Don Eusebio, die Zufälle des Lebens haben entschieden, dass meine letzte öffentliche Amtshandlung als Botschafter Deutschlands in Kuba darin besteht, das höchste Symbol der deutschen Nation in ihre Hände zu geben. Ich tue das in der Überzeugung, dass es keine besseren Hände gibt als die ihren, um dieses Symbol zu hüten und zu achten. Vielen Dank.“

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