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Die Nachfrage nach Urlaub an den deutschen Küsten wird in diesem Jahr noch einmal steigen

30 April 2020 7:03pm
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„Die größten Chancen wird der innerdeutsche Tourismus haben“, meint Alltours-Chef Will Verhuven. Schon Anfang März, vor der weltweiten Reisewarnung des Auswärtigen Amts, berichteten die deutschen Reiseveranstalter in touristik aktuell von ein- bis zweistelligen Zuwächsen gegenüber dem Vorjahr.

Für das Wachstum hatten die Veranstalter das Angebot umfassend ausgebaut, allein Marktführer TUI bietet rund 2.300 Hotels im eigenen Land an. Glück hat, wer seinen Sommerurlaub in heimischen Gefilden schon gebucht hat. „Deutschland war schon in den Jahren voll, als die Urlauber ins Ausland gereist sind. Und die Kapazitäten sind nicht unendlich“, weiß Ender Karadag, Manager bei Ferien Touristik. Und auch Schauinsland-Produktleiter Andreas Rüttgers bestätigt: „Die Auslastung in Deutschland, Österreich und den Niederlanden ist bereits sehr hoch. Das Potential einer großen Umverteilung ist von daher überhaupt nicht gegeben.“

Erschwerend kommt hinzu: Viele Hoteliers haben derzeit den Verkauf auf stop-sell gesetzt, da sie von den Länderregierungen noch keine Vorgaben erhalten haben, ob sie ihr Hotel nach dem Lockdown mit der vollen oder einer begrenzten Zimmeranzahl hochfahren können. Sollte ein Hotelier mit einer begrenzten Zimmerzahl seinen Betrieb starten dürfen, hat aber schon mehr Zimmer verkauft, könnten sogar Schadensansprüche auf ihn zukommen.

Die Veranstalter beobachten die Situation genau. „Wir betreiben intensives Trendmonitoring“, sagt Kai de Graaff. Der Ameropa-Geschäftsführer bietet bereits ein großes Produkt-Portfolio an, sieht aber etwas Nachholbedarf für die Herbstmonate und bei Angeboten für Familien.  

„Eine deutliche Erweiterung des Programms ist auf jeden Fall geplant“, sagt Vtours-Managerin Stefanie Erbacher. Neben den bekannten Zielen an Nord- und Ostsee, in Bayern und im Schwarzwald wird auch im Sauer- und im Münsterland, im Harz, im Erzgebirge und in der Sächsischen Schweiz geschaut. Ein weiter Fokus liegt bei Hotels in und um Freizeitparks.

„Nach einer ersten Buchungswelle für Deutschland erwarten wir eine zweite Welle für Urlaub in grenznahen Regionen“, verweist FTI-Manager Martin Katz auf eine Hotelabdeckung von 90 Prozent. Schon jetzt bemerke er einen deutlichen Nachfrageschub für ein- bis zweiwöchige Ferien in Österreich.

Ein Ausbau in grenznahen Regionen in Österreich, Polen, Tschechien, Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden sowie in Kroatien, Slowenien und Skandinavien plant auch Vtours. Auch Ferien Touristik – eher als Türkei-Spezialist bekannt – wird laut Manager Ender Karadag „definitiv in Österreich, Italien und Kroatien erweitern“.

Erdgebundene Reisen stehen auch im Fokus der QTA. Die Reisebüro-Allianz führt laut QTA-Sprecher Thomas Bösl seit einigen Wochen intensive Gespräche, um ein umfassendes Angebot machen zu können. Dabei setzt die QTA auf eine strategische Partnerschaft mit Ameropa und für Autoreisen mit dem neuen Veranstalter Traveleague, der erst im Februar gestartet ist.

Wann touristische Reisen innerhalb Deutschlands und in angrenzende Länder wieder möglich sind, ist akutell noch nicht klar. In einem ersten Schritt wird Urlaub innerhalb des eigenen Bundeslands möglich sein. Thomas Bareiß, Tourismusbeauftragter der Bundesregierung, sieht keinen Grund, „Hotels nicht schrittweise zu öffnen“. Allerdings werde es kein „Nebeneinanderliegen Handtuch an Handtuch am Nordseestrand geben“.

Kai-Uwe Finger, Deutschland-Chef des Ferienhausanbieters Novasol, fordert von der Politik, den Ferienhaustourismus in Deutschland wieder zu öffnen. „Urlaub in einem Ferienhaus bietet exakt dieselben Bedingungen für ‚social distancing‘ wie die eigenen vier Wände zuhause. In der Corona-Krise sind Ferienhäuser die bestmögliche Urlaubsform.“ Anders als Hotels, Gastronomie und Einzelhandel benötigten Ferienhäuser keinerlei Hygieneplan oder organisatorische Voraussetzungen für die Wiedereröffnung. Die kurze Anreise innerhalb Deutschlands, am sichersten mit dem Auto, vermeidet Kontakte mit Infektionsrisiken ebenso wie Stress beim Weg in den Urlaub.

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