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Condor nach geplatztem Verkauf in "fortgeschrittenen Gesprächen" mit Regierung

Condor-Fluggesellschaft

Die angeschlagene Fluggesellschaft Condor wird nach der Übernahme-Absage der polnischen Airline LOT womöglich bald von einem staatlich bestimmten Treuhänder geführt. Eine Condor-Sprecherin bezeichnete am Dienstag eine solche Eigentümerstruktur als "gar nicht so unwahrscheinliches Szenario". Das Unternehmen sei auf die geplatzte Fusion mit LOT "nicht ganz unvorbereitet" und "in fortgeschrittenen Gesprächen" mit der Bundesregierung, allerdings noch ohne Ergebnis.

Demnach gibt es neben einer Treuhänderstruktur "verschiedene Optionen für die zukünftigen Eigentumsverhältnisse" des Ferienfliegers. Eine teilweise Verstaatlichung hält Condor entgegen entsprechender Spekulationen im derzeitigen "Vakuum" aber für unwahrscheinlich.

Das Bundeswirtschaftsministerium hielt sich am Montag bedeckt. Ein Sprecher sagte unter Hinweis auf das laufende Schutzschirmverfahren für Condor, man wolle den Vorgang nicht kommentieren.

Gewerkschaften fordern Staatshilfe

Die Pilotengewerkschaft VC hat sich für eine Rettung des Ferienfliegers Condor durch den deutschen Staat ausgesprochen. Die Unterstützung durch die Bundesregierung sei auch weiterhin gerechtfertigt, erklärte VC-Sprecher Janis Schmitt in Frankfurt.

Schließlich stehe der Flugbetrieb der Condor aus grundsoliden Füßen. Es dürfe nicht sein, dass die Mitarbeiter in der Corona-Krise fallengelassen würden. Condor sei nur durch massive Geldabflüsse in Richtung des ehemaligen Mutterkonzerns Thomas Cook in Schwierigkeiten geraten.

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Ähnlich äußerte sich die "Industriegewerkschaft Luftfahrt" (IGL). Es liege in der Verantwortung der Bundesregierung, die Arbeitsplätze vorerst abzusichern, so der Vorsitzende Thorsten Spreu.

Auch die Kabinengewerkschaft Ufo fordert, dass sich der Staat an den Condor beteiligen solle. Es wäre ein "fatales Signal", wenn der Staat als erster Gläubiger der Condor den Saft abdrehe, erklärte Ufo-Sprecher Nicoley Baublies.

Das Land Hessen hat seine Unterstützung für Condor bekundet. Hessen sei weiter mit dem Bund in Gesprächen über die Zukunft der Condor. "Wir bedauern, dass die polnische Fluglinie LOT entschieden hat, Condor nicht zu übernehmen", erklärten Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am in Wiesbaden.

Mittwoch wird KfW-Kredit fällig

Die Zeit drängt, weil am Mittwoch (15. April) eigentlich der KfW-Kredit über 380 Millionen Euro nebst Zinsen fällig wird, mit dem Condor über den Winter in der Luft gehalten worden war. Die zur Rückzahlung eingeplante Kaufsumme der Polen steht nun nicht zur Verfügung.

Eine Verlängerung des von der EU genehmigten Kredits hatte die Condor nach eigenen Angaben nicht beantragt, sondern auf neue Darlehen zur Corona-Krise gesetzt. Weitere Barmittel könnten von einem Treuhandkonto fließen, auf dem Gelder für Condor-Tickets nach dem 1. April gelandet sind.

Gespräche über Vertragsstrafen stehen noch aus

Voraussetzung dafür wäre das Ende des sogenannten Schutzschirmverfahrens, in das sich Condor vor einem halben Jahr nach der Pleite ihres früheren Mutterkonzerns Thomas Cook gerettet hatte. Der Schutzschirmplan des Insolvenz-Experten Lucas Flöther ist seit vergangenem Donnerstag rechtskräftig, geht jetzt aber vorläufig nicht auf. Trotzdem hält Condor an dem Plan fest, den Schutzschirm nun zügig zu verlassen. Gespräche zwischen PGL und Condor über möglicherweise zu leistende Vertragsstrafen wegen des Rücktritts stehen noch aus.

In dieser mildesten Sanierungsform im deutschen Insolvenzrecht hatte das Management unter Ralf Teckentrup die Geschäfte weitergeführt und nach einem Bieterverfahren im Januar den Kaufvertrag mit der PGL abgeschlossen. Die staatliche Holding hatte sich gegen zwei Finanzinvestoren mit einem höheren Gebot durchgesetzt. Politiker der nationalkonservativen PiS-Regierung hatten die Übernahme als Zeichen der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung Polens gefeiert.

Unter dem Schutzschirm hatte Condor Mietverträge gekündigt, einige Mitarbeiter entlassen und mit den Gewerkschaften Sanierungs-Tarifverträge abgeschlossen. Mit der Corona-Krise verlor auch der Ferienflieger sein Geschäft, flog zuletzt noch Heimkehrerflüge im Auftrag der Bundesregierung und Fracht.

Auch die Lot ist von dem Virus hart getroffen worden. "Im Fall der Lot kommen wir sicher nicht ohne öffentliche Hilfe aus", hatte Polens Schatzminister Jacek Sasin kürzlich dem Fernsehsender TVN24 gesagt.

Quelle: airliners.de

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